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Bericht des Unterbezirksvorsitzenden vom Bundesparteitag 2011

Brodhun

Unser Unterbezirksvorsitzender auf dem SPD Bundesparteitag 2011.

 Ein Bundesparteitag ist ein tolles Erlebnis. Zumal, wenn er in der Bundeshauptstadt stattfindet. Vom 03. bis 06. Dezember verbrachte ich meine Zeit in Berlin um als einer von 480 Delegierten am Bundesparteitag der SPD teilzunehmen. Nachfolgend möchte ich Euch von meinen Eindrücken und Erlebnissen berichten. Es geht dabei nicht darum einen politischen präzisen Bericht über das abzugeben, was genau diskutiert und beschlossen wurde. Ich möchte Euch ein paar kleine Einblicke hinter die Kulissen eines solchen Ereignissen geben.


Sonnabend, den 03. Dezember 2011
Ja, der Parteitag begann erst am 04. Dezember. Aber große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und so reiste ich schon am Samstag mit dem ICE von Göttingen nach Berlin und bezog mein Hotelzimmer. Abends stand eine Vorbesprechung aller niedersächsischen Delegierten an. Danach machte ich mich mit einigen Jusos auf in das Willy-Brandt-Haus, die Parteizentrale der SPD, um an einer Vorbesprechung des Juso-Bundesverbandes teilzunehmen. Ich war nicht bloß als SPD-Mitglied in Berlin, sondern auch als aktiver Jungsozialist. Zumindest sah ich das so. Im Anschluss an die Arbeit fand der beliebte Niedersachsenabend statt, eine „kleine“ Party mit Parteiprominenz, nicht nur aus unserem Land. Auch Hannelore Kraft, Klaus Wowereit und Kurt Beck – um nur einige zu nennen – wollten sich dies nicht entgehen lassen. Es ging heiter zu.

Sonntag, den 04. Dezember 2011
Gegen 8.00 Uhr fanden sich alle Delegierten, Presseverteter und tausende Gäste in der unterdimensionierten „Station“ in Berlin ein. Es versprach spannend zu werden, auch wenn die neue purpurne (manche wähnten einen Euphemismus für rosa) Farbe, die die SPD nun verwenden will, für Gesprächsstoff am Rande sorgte. Den Auftakt machte Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt mit einer spannenden Rede. Es ist schon ein besonderer Moment einem der größten deutschen Staatsmänner aller Zeiten auf einem Bundesparteitag der SPD lauschen zu können. Während der Rede des 92-Jährigen war es absolut still in der sonst wuseligen Halle.
Danach wurde der Parteitag offiziell eröffnet. Es sprach der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg, dessen Land dieses Jahr von dem an Grausamkeit nicht in Worte zu fassenden Massaker auf der Insel Utǿya heimgesucht wurde. Es folgten schließlich stundenlange Reden, Debatten und Antragsberatungen. Abends fanden diverse Parties von Parteigruppierungen statt. Doch als gegen 23.00 Uhr der erste Tag sein Ende fand, waren die meisten froh, bald Schlaf zu finden. Denn so ein Parteitag verlangt nicht nur psychisch viel von den Delegierten ab, sondern eben auch körperlich.

Montag, den 05. Dezember 2011
Am Montag ging es wieder sehr früh los. Heute würden wir den Parteivorstand wählen. Und in der Tat wurden alle Kandidaten auch gewählt, wenngleich vor allem die Generalsekretärin Andrea Nahles und die stv. Bundesvorsitzende Manuele Schwesig schlechte Ergebnisse bekamen. Auch eine Rede des sozialistischen Kandidaten zur Präsidentenwahl in Frankreis, Francois Hollande, fand an diesem Tag statt. Danach diskutierten wir über die geplante Parteireform, die die SPD, so hieß es mitunter voller Überschwang „zur modernsten Partei Europas“ werden lassen sollte. Die Delegierten beschlossen sie nach langen Debatten mit großer Mehrheit.
Und auch ich hatte an diesem Sonntag einen kleinen Auftritt. Mein Unterbezirk Northeim-Einbeck hatte den Antrag gestellt notenbezogene Zugangsbarrieren (NCs) an deutschen Hochschulen durch andere Kriterien zu ersetzen. Da der Antrag zu unserem Bedauern zur Ablehnung frei gegegeben worden war, ging ich an das Rednerpult und verteidigte ihn. Am Ende hat es nicht gereicht, aber ein beachtlicher Teil stimmte dennoch für den ehemaligen Northeimer Juso-Antrag. Auf einem Bundesparteitag als Nicht-Bundespolitiker zu sprechen, ist eine Herausforderung. Tausende Blicke, die auf einen gerichtet sind, die vielen Kameras und die Gewissheit in kurzer Zeit alles Wesentliche verständlich mitteilen zu müssen, machen einen Unterschied, ob man einen Antrag auf einem kleineren Parteitag oder auf dem Parteitag der größten sozialistischen Partei Europas verteidigt. Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, das einen auch sicherer im Reden auf Großveranstaltungen werden lässt.
Abends fuhren wir alle in das Neuköllner Estrel-Hotel, in dem der berühmte Parteiabend stattfand. Eine riesige Party mit fast 1000 Teilnehmern. Man kann in gelöster Atmosphäre mit Ministern ein Bier trinken, sich mit Genossen aus ganz Deutschland unterhalten und ausgelassen feiern. So war es dann auch lustig und symphatisch zu sehen, wie die eine oder andere Parteigröße, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, auf der Tanzfläche ihren Spaß hatte. Großartig. Eine Band spielte bis etwa 1.00 Uhr. Es gab ein riesiges Büffet und viele feierten ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden.

Dienstag, den 06. Dezember 2011
Doch am nächsten Morgen sollte es um kurz nach 8.00 Uhr schon wieder weitergehen. Parteitagsregie kann gnadenlos sein. Aber natürlich, wir waren ja in erster Linie zum Arbeiten hier. Nach einer – wie man sich vorstellen kann – äußerst kurzen Nacht, stand nun der letzte Tag auf der Tagesordnung. Und es galt noch wichtige Punkte zu diskutieren, wie etwa Innen- und Rechtspolitik. Allerdings war man heute noch mehr darauf bedacht zügig durchzukommen, da man gegen 16.00 Uhr fertig werden wollte. Nach Verleihung eines Preises für kreative Aktionen aus Parteigliederungen, den dieses Mal ein Projekt gegen Rechtsextremismus als ersten Platz erhielt, fuhr ich abends zurück nach Hause. Erschöpft, aber mit einem guten Gefühl.


Ich nehme viele Erkenntnisse mit aus Berlin nach Northeim, auch für meine alltägliche politische Arbeit. Es ist interessant zu sehen, dass die „großen“ Politiker eigentlich auch nur Menschen wie ich und du sind und dass Zeit bei einer solchen Veranstaltung kaum eine Rolle spielt. Man sitzt stundenlang und hört den Debatten zu, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht.


Ein schönes Erlebnis, das mich einmal mehr darin überzeugt hat für die richtige Sache zu streiten und die richtigen Mitstreiter zu haben.

Ich freue mich schon auf den nächsten Bundesparteitag!


Euer
Christoph Brodhun

 
 

 
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